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Die Natur nimmt sich ihren Teil

Von überall hört man nichts Gutes, was die diesjährige Ernte angeht. Niedrige Erträge durch allgegenwärtigen Fäulnisbefall.

Botrytis cinerea oder auch Grauschimmel genannt, heißt der Pilz, der so vielen Winzern dieses Jahr schlaflose Nächte bringt.

Dieser Pilz dringt in die Beerenhaut ein und beschert uns Winzern eine Handvoll Dinge, die wir nicht brauchen.

Abgesehen von dem Mengenverlusst ist dieser Pilz vor allem für die Weinqualität abträglich.

Beim Rotwein ist mit Farbverlusst zu rechnen, die allgemeine Filtrierbarkeit nimmt ab und im schlimmsten Fall sind die Weine sogar sensorisch beeinträchtigt.

Dies und viele weitere Folgen gilt es zu vermeiden.

Botrytis tritt meist in überversorgten,  zu stark gedüngten Anlagen auf, in denen sich die aufgeblasenen kompakten Trauben gegenseitig kaputtdrücken.

Dieses Jahr ist jedoch speziell! Wären unter den Botrytispilzen Blogger vertreten, wäre das gesamte Internet wahrscheinlich voll mit Beiträgen, die Titel wie „Jahrhundert Jahrgang 2013!“ trügen.

Nach unserer Einschätzung kommen wir dieses Jahr ganz gut davon. Gerade unsere Spätburgunderanlagen erfreuen sich bester Gesundheit. Auch hier muss selektiv gelesen werden. Aber die Mostgewichte versprechen einen schönen Rotwein, der dort noch an den Stöcken hängt und darauf wartet, in den nächsten  Tagen gelesen zu werden.

Dass unsere Trauben nicht grau und vor Pilzmycel staubend von den Stöcken fallen, verdanken wir der Tatsache, dass wir jetzt schon im dritten Jahr ökologisch arbeiten.

Wir verzichten auf Mineraldünger. Unsere Reben stehen zwischen blühenden Einsaaten, auf vitalen Böden. Hier sind die Triebe und Trauben abgehärtet und nicht durch zu hohe Stickstoffdüngungen verweichlicht.

Die Natur nimmt sich ihren Teil. 

Diese Wespe, die sich an dem süßen Saft unserer Rieslingtrauben labt, wird wohl auch dafür sorgen, dass unsere Ernte dieses Jahr etwas kleiner wird. Jedoch hat sie im Laufe des Jahres sicher viele Traubenwicklerlarven verscheucht und es scheint fair, dass sie sich jetzt ihren Lohn einfordert.

„Die ist mir!“

Alles ist relativ. Für diese Spinne  sicher ein großer Ertrag! Ob sie die direkt verspeist oder einfach nur Maß nimmt. Wir wissen es nicht.

Zu viel Regen gepaart mit warmen Temperaturen.

2013, ein Jahr, das den Landwirten wohl noch lange im Gedächtnis bleibt. Angefangen mit einem späten Austrieb durch langen eisigen Winter, Starkregen, Hagelunwetter im Frühsommer, in Juli und August Bilderbuchwetter, pünktlich zum Reifebeginn stellte sich Dauerregen ein, als die Sonne am nötigsten war. Trotz später Ernte sind die Temperaturen noch immer hoch; viel Regen setzt den Trauben zu.

Die Lese läuft auf Hochtouren

Die Reben befinden sich in der Seneszenz. Gut erkennbar an dem sich verfärbenden Laub. Die Pflanze zieht Reservestoffe zurück in das Holz. Ein Zeichen, dass sie für dieses Jahr so langsam fertig ist. Die Trauben sind reif, nicht nur das Mostgewicht stimmte in dieser Spätburgunderanlage, sondern auch die phenolische Reife, die so wichtig ist um charakterstarke Rotweine auf die Flasche zu füllen. Die Begrünung steht noch saftig da. Hier finden sich neben Blütenpflanzen, in denen sich fleißige Bienen tummeln, auch Kräuter wie Pfefferminze und Melisse. Unseren Lesehelfern gefällts. 

Es gibt sie auch dieses Jahr, die schönen Trauben.

Es gibt sie auch dieses Jahr, die schönen Trauben, appetitlich,  ohne chemischen Beigeschmack. Vielleicht nicht so viele –  aber immerhin. Wir müssen die Weine mehr schätzen, die uns die Natur auch in solchen Jahren gibt.

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