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Klimafarming an der Mosel

Wie wir mit Pflanzenkohle CO2 speichern und damit unsere Weinberge verbessern.

Üppige Vielfalt zwischen den Reben

Üppige Vielfalt zwischen den Reben

 

Blühende Begrünung zwischen den Reben, Schmetterlinge und Bienen flattern und brummen durch die Reihen. Hier und da sieht man einen Hasen, der sich an dem satten Klee erfreut. So ein Bioweinberg hat schon etwas für sich und ist ein großer Gewinn für die Natur.

Denn abgesehen davon, dass hier ein vorzüglicher Wein wächst, wirkt sich unser Weinberg positiv aufs Klima aus.

Ein humusreicher Boden ist ein wahrer CO2-Fresser und entlastet unsere Atmosphäre. Verstärken lässt sich dieser Effekt mit dem Einsatz von Pflanzenkohle in Verbindung mit Kompost. Für alle, die sich das Thema ganz genau anschauen möchten, empfehle ich die Seite des Ithaka Instituts (http://www.ithaka-journal.net/inhalt/klimafarming?lang=de).

Hier kann man alle Fakten, Vorteile, Anwendungen und vieles mehr zum Thema Pflanzenkohle in Erfahrung bringen.

Seit ich im Rahmen meines Studiums die Möglichkeit hatte, im Ithaka Institut mitzuarbeiten, beschäftige ich mich gerne mit der Pflanzenkohle und versuche sie in unseren Weinbergen einzusetzen.

Hier nun die wichtigsten Fakten über Pflanzenkohle in der Landwirtschaft zusammengefasst:

  • lässt sich aus allen organischen Dingen herstellen wie z.B. Grünschnitt, Holz und Pflanzenreste
  • hat eine hohe Stabilität im Boden und bleibt über sehr lange Zeiträume stabil
  • verlagert CO2 aus der Atmosphäre in die Erde
  • die Emission von Treibhausgasen aus landwirtschaftlichen Böden kann verringert werden
  • der Einsatz von Pflanzenkohle macht sich in folgenden Bereichen eines Bodens bemerkbar:
    • Wasserhaltekraft
    • Nährstoffverfügbarkeit
    • Kationenaustauschfähigkeit
    • physikalische Eigenschaften eines Bodens
    • Mikrobiologie eines Bodens

Diese Liste beinhaltet noch nicht alle Eigenschaften von Pflanzenkohle. Wie erwähnt, können Sie sich auf der Seite des Ithaka Journals noch tiefer in das Thema einlesen.

Fest steht, dass die genannten Eigenschaften sehr interessant sind und sich für den Einsatz im Weinbau sehr gut eignen.

Seit der Veröffentlichung der im Ithaka Institut entwickelten Kon-Tiki, haben wir endlich das passende Werkzeug, um in entsprechendem Maße Pflanzenkohle herzustellen. Bei einer Kon-Tiki handelt es sich um einen von unten geschlossenen Kegelmeiler, der es auf einfache Art und Weise umweltfreundlich ermöglicht, Kohle von homogener Qualität herzustellen.

Biochar in Produktion

Biochar in Produktion

die erste eigen Biokohle

die erste eigene Biokohle

 

Begonnen hat alles mit einem selbstgegrabenen Erdmeiler. Hier wurden Rebschnitt und Reben verbrannt, anschliessend abgelöscht. Das Ergebnis war jedoch noch verbesserungswürdig.

Als nächstes wurde mit einem ausgemusterten Traubentrichter experimentiert. Dieser kam dem Vorbild des Ithaka Instituts schon sehr nah und brachte tolle Ergebnisse. Leider war er noch sehr klein und brachte nicht die gewünschte Menge hervor.

rauchfreie und saubere Pyrolyse

rauchfreie und saubere Pyrolyse

Zum Glück fanden wir während eines Kundenbesuches in Norddeutschland auf einem Wertstoffhof einen Trichter in runder Form mit grösserem Durchmesser. Dieser wurde von dem Schlosser unseres Vertrauens noch etwas modifiziert und mit einer Vorrichtung für den Gabelstapler (zwecks besserer Entleerung) versehen.

per Zufall gefunden

per Zufall gefunden

und mit nach Hause genommen

und mit nach Hause genommen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Brennstoff verwenden wir alles, was im Weinberg als Rest anfällt. Vor allem alte Reben gerodeter Anlagen eignen sich hervorragend für die Kon-Tiki und können ohne vorher geschnitten verbrannt werden.

optimaler Rohstoff für Pflanzenkohle

optimaler Rohstoff für Pflanzenkohle

Das Feuer brennt absolut rauchfrei. Die Flammen sind leuchtend orange. Ist das Feuer einmal richtig im Gange, lässt sich auch nicht trockene Biomasse zu Kohle pyrolisieren. Hier ein kurzes Video:Pyrolyse in Zeitlupe

Die gewonnene Kohle macht einen guten Eindruck und ist sehr porös. Lediglich die Größe der einzelnen Stücke könnten kleiner sein, da sich die Kohle dann besser vermischen würde.

poröse Konsistenz und eine enorme Oberfläche

poröse Konsistenz und eine enorme Oberfläche

Die fertige Biokohle wird dann mit einem Gemisch aus Pferdemist und Trester vermischt und kompostiert. Hierbei findet das sogenannte Aufladen der Kohle statt. Die Poren der Kohle werden von Milliarden von Mikroorganismen bevölkert. Ausserdem speichert die Kohle die Nährstoffe und Wasser, was sie zu einem besonderen Bodenverbesserer macht. Ist dieser Dünger in den Boden eingebracht, entsteht die sogenannte Terra Preta, die für südamerikanische Hochkulturen die Ernährung sicherstellte.

voller Leben und allem was die Rebe braucht

voller Leben und allem was die Rebe braucht

nach der Kompostierung duftet es nach Waldboden

nach der Kompostierung duftet es nach Waldboden

 

Nach Zugabe der Kohle ist kein Geruch des Kompostes festzustellen. Nach einiger Zeit und öfterem Durchmischen duftet der Kompost nach Waldboden. Auf den ersten Blick offenbart sich das Leben, was sich im Kompost abspielt. Er ist voller roter Würmer, die zum Durchmischen beigetragen haben. Des weiteren finden sich etliche andere Kleinstlebewesen in einer Hand guten Kompost.

 

Mit der Zeit und steigender Erfahrung fallen uns immer mehr Kniffe ein, die Produktion unserer eigenen Terra Preta zu optimieren. Die ersten Versuche in unseren Weinbergen laufen bereits. Überzeugt hat uns nicht nur der positive Effekt auf unsere Weinbergsböden sondern auch die Chance zur positiven Beeinflussung unserer Atmosphäre. Denn wir Landwirte erfahren extreme Wettersituationen als Erste.

Die Kohle, die in unserer Kon-Tiki hergestellt wird, hält den Klimawandel nicht auf.  Aber es ist ein Anfang und vielleicht eine Motivation für andere, auch mit Pflanzenkohle zu arbeiten. Und wenn es nur im eigenen Garten ist.

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